Sicher hast auch du schon von den Gerbmethoden der Indianer gehört, bei denen das Fell nur mit Naturprodukten (Hirn, Urin, Asche) behandelt wurde. Diese Methoden beherrsche ich nicht und kann sie dir hier nicht vorstellen. Aber nach meinen Methoden brauchst du nur wenig Material und Geld und ich denke, sie stellen einen annehmbaren Kompromiss dar zwischen fabrikmässigem Gerben und fellekauender Squaw.
Seit neuestem (17.2.02) hab ich aber auf der Leserbriefseite die Anleitung von Jonathan, er gerbt "indianisch".
Seit allerneuestem(22.3.05) gibt es aber auch eine Seite zur Hirngerbung, die ist absolut super und heisst Hirngerbung.de.
Als ich zum ersten Mal auf die Idee kam, die bei meiner Kaninchenzucht anfallenden Felle zu nutzen, statt sie wegzuwerfen, musste ich feststellen, dass Informationen über das Gerben sehr schwer zu beschaffen waren.
Eine Befragung meines Grossvaters ergab zwar, dass der vor ca 60 Jahren auch Kaninchenfelle gegerbt hatte, aber er konnte sich leider nicht mehr daran erinnern, wie er das gemacht hatte. Mein Buchhändler musste passen. Und eine Amazon-Suchmaschine gab es auch noch nicht.
Da las ich in einer Zeitung für Kleintierzüchter die Anzeige einer Firma, die Ausrüstung und Material für Präparatoren verkauft. Bei denen konnte ich dann auch ein Buch übers Gerben erstehen (steht in meiner Bücherliste) und auch ein paar notwendige Chemikalien. Das ist nun schon ein paar Jahre her, und mittlerweile hab ich Erfahrungen mit verschiedenen Fellen gemacht, die will ich dir hier aufschreiben.
Allerdings muss ich dich warnen, erwarte nicht zu viel vom Ergebnis deiner Arbeit. Die hier beschriebenen Methoden sind mit einfachen Mitteln durchzuführen und es werden nur relativ ungiftige Chemikalien eingesetzt. Aber Felle wie die von Omas Leopardenmantel lassen sich so nicht herstellen. Trotzdem wirst du sie für vieles gebrauchen können. Falls du deine Felle wirklich optimal gerben willst, dann kauf dir eines der Bücher übers Gerben und gehe nach deren Methoden vor.
Diese Felle sind nach den hier beschriebenen Methoden gegerbt.Diese Felle sind nach den hier beschriebenen Methoden gegerbt.
Um Felle zu gerben, musst du erst mal welche bekommen. Die meisten Felle bekomme ich von meinen Hauskaninchen. Da die meisten Kaninchenzüchter die Felle wegwerfen, solltest du da mal nachfragen, falls du solche Leute kennst. Auch Jäger lassen die Felle ihrer Jagdbeute selten gerben, meistens werfen sie sie weg. Ich habe das Glück, dass in Herberts Tipi zuweilen ein solcher sitzt, der hat mir schon viele Felle geschenkt. Auch ein befreundeter Landwirt hat mir schon Felle geschenkt, (Schafe) für die er ansonsten von der Tierkörperverwertung 3 DM/Stück bekommen hätte.
Sagen wir mal, du hast jetzt dein erstes Fell. Sieht etwas ekelhaft aus, nicht wahr?
Eine frisches rohes Rehfell

Falls du nicht direkt daran arbeiten kannst oder willst, solltest du es einsalzen und trocknen. Kleine, dünne Felle spanne ich dazu auf eine Klammer, die ich mir für diesen Zweck aus Draht gebogen habe. ( Da das abgezogene Fell ein Schlauch mit der Haarseite nach innen ist, schiebe ich die Klammer rein und lasse sie aufgehen.) Dann streue ich von allen Seiten Salz darauf und hänge es mit der Klammer zum Trocknen auf. Das Ergebnis sieht dann so aus und lässt sich ohne weiteres jahrelang aufheben.
Salzgetrocknete KaninchenfelleSalzgetrocknete Kaninchenfelle

Grössere, dickere Felle (die sind nicht mehr schlauchförmig, sondern flächig aufgeschnitten) breite ich auf einer schiefen Ebene aus, z.B. eine alte Tür, und bestreue sie dick mit Salz. Das Salz zieht jede Menge Flüssigkeit aus der Haut, welche dann als ekle Brühe die schiefe Ebene herabläuft. Deshalb musst du mehrmals Salz nachstreuen, bis das Fell trocken ist. Das Salz ist nicht nur zum Konservieren wichtig, sondern auch, weil sich ohne Salz getrocknete Felle später nicht mehr einweichen lassen.
Rehdecke,gesalzen und getrocknet

Mein erster Schritt beim Gerben ist das Entfleischen. Falls das Fell getrocknet war, wird es erst eingeweicht.
Wahrscheinlich hängen auf der Fleischseite noch Fett-, Fleisch- und Blutreste, die müssen ganz runter. Auch die nächste Schicht, die sogenannte Unterhaut, welche meist auch noch von dünnen Blutgefässen durchzogen ist, sollte nach Möglichkeit vollständig abgezogen werden. Darunter kommt dann die Lederhaut zum Vorschein, welche selbst im ungegerbten Zustand schon ziemlich nach Leder aussieht. Wenn du die Unterhaut jetzt ganz runterkriegst, dann ist das optimal, wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter, dann kannst du den Rest auch nach dem Pickeln entfernen.
Von frischen Kaninchenfellen kann ich die Unterhaut meist mit allen Fleischresten mit der blossen Hand abziehen, wenn ich viel Glück habe, sogar am Stück. Bei dickeren Häuten ist diese Arbeit viel mühsamer, da muss ich verschiedene Werkzeuge zum Schaben benutzen. (z.B. eine Handhacke, mit der normalerweise Gartenerde aufgelockert wird, oder auch ein grosses Messer, oder was mir sonst so in die Hände fällt)
Rehdecke beim EntfleischenKaninchenfell beim Entfleischen
Wenn ich diese Arbeit unterbreche (ein grosses Fell schaffe ich nicht an einem Stück zu entfleischen), streue ich ein Gemisch aus Kalialaun und Kochsalz (50/50) auf die Fleischseite und lege das Fell so zusammen, dass Haut auf Haut und Fleisch auf Fleisch liegt. Irgendwann bin ich dann soweit, dass entweder die Lederhaut komplett freiliegt oder dass ich die Geduld verliere. (Wie schon gesagt, man kann diesen Arbeitsabschnitt auch noch später zu Ende bringen.)
Dann kommt der nächste Abschnitt, das Pickeln.
Beim Pickeln wird das Fell in ein Säurebad eingelegt, damit später der eigentliche Gerbstoff besser eindringen kann.
Bei dünnen Fellen benutze ich dazu Ameisensäure, bei dicken fetten Fellen (z.B. Wildschwein) habe ich gute Erfahrungen mit Schwefelsäure (Batteriesäure von der Tankstelle) gemacht. ** Dazu muss ich jetzt (7.11.2001) eine kleine Anmerkung machen: Leider musste ich die Erfahrung machen, dass das Leder der Schafs-und Hirschfelle, die ich mit Schwefelsäure gepickelt habe, nach 1-2 Jahren spröde wurde und selbst wenn es gut gefettet war, sich wie Papier zerreissen lässt. Nur die Wildschweinfelle sind nach wie vor in bestem Zustand, da ist die Batteriesäure echt zu empfehlen.
Um richtig zu dosieren, werden die rohen Felle gewogen und das doppelte Gewicht an Wasser in ein Gerbgefäss (Plastikeimer oder Fass, je nach Menge der Felle) gegeben. Darin löst du 60-100g Kochsalz pro Liter (6-10 %) auf, gibst deine Felle hinein und walkst das Ganze kräftig durch. ( Bei Fellen, die schon mal eingesalzen waren, brauchst du nicht mehr so viel zu walken.) Dann nimmst du die Felle wieder raus und gibst 1,2-1,5% Säure in das Wasser. Bei sehr dicken oder fetten Häuten können es auch bis zu 3% sein. Zum richtigen Dosieren musst du darauf achten, ob die Säure, die du zugibst 100%ig oder verdünnt ist, falls sie verdünnt ist, musst du entsprechend höher dosieren. Nimmst du zuwenig, wird das Fell später nicht richtig weich, nimmst du zuviel, wird es dir leicht zerreissen.
In diesem Bad, dem sogenannten Pickel, lässt du die Felle ein bis zwei Tage liegen und walkst sie immer wieder mal durch. Das Walken besorge ich mit einem dicken abgerundeten Holzstab, du kannst es aber auch mit den Händen tun, wenn du langschäftige Gummihandschuhe hast. Die Säure im Pickel ist nicht so stark, dass sie dir die Hände wegätzen würde, aber wenn du dich damit verkleckerst, wirst du es nach einer Weile merken.
Ein Eimer voll Kaninchenfelle im Säurebad
Dann wird das Fell gründlich mit klarem Wasser ausgespült, um Säurereste, die beim Pickeln nicht verbraucht wurden, zu entfernen. Falls das Fell nicht restlos entfleischt ist, musst du das jetzt tun. Danach ist es bereit für den nächsten Arbeitsgang, das eigentliche Gerben.
Dazu rühre ich ein neues Bad an mit 15-20% Kalialaun (dünne Häute weniger, dicke Häute mehr) und mit der gleichen Menge Kochsalz. Darin lasse ich das Fell mehrere Tage liegen und walke es jedesmal durch, wenn ich vorbeikomme. Wenn ich denke, es ist genug (in dem Lehrbuch steht etwas von Schnittprobe, die Haut soll innen nicht mehr "glasig" aussehen, ich konnte aber nichts derartiges entdecken ),nehme ich das Fell heraus und spüle es auf der Haarseite (ohne zu walken) mit klarem Wasser. Denn an den Haaren sollen sich später keine Salzkristalle bilden, aber in der Haut soll ein Rest Salz bleiben. Dann lasse ich das Fell trocknen. Die Gerbflotte schütte ich noch nicht weg, denn falls sich nach dem Trocknen zeigt, dass ein Fell nicht richtig durchgegerbt ist, kommt es nochmal rein.
Kaninchenhäute beim Trocknen
Damit es nach dem Trocknen nicht hart wird, wird es schon während dem Trocknen gefettet. Um zu erreichen, dass das Fett oder Öl möglichst gut eindringt (Schuhcreme wird in nasses Leder nicht eindringen), wird es vorher emulgiert, d.h. in kleine Tröpfchen zerlegt. Eidotter ist ein guter Emulgator. Ich rühre also so eine Art Mayonnaise ( der Gerber nennt sie Licker) an, aus einem Eidotter, soviel Öl (ich nehme meist Sonnenblumenöl) wie ich denke dass das Fell aufsaugen wird, und einem Schuss Wasser. Das Ganze muss gut durchgerührt werden.
Damit pinsele ich die Haut während dem Trocknen mehrmals ein.
Wenn die Haut fertig getrocknet ist, habe ich im günstigsten Fall ein schön gegerbtes Fell.
noch etwas steife Kaninchenfelle
Oder aber die Haare hängen voller Salzkristalle, dann spüle ich die Haarseite mit Wasser und trockne sie erst mit einem Tuch und dann an der Luft.
Oder die Haut ist nicht richtig durchgegerbt und hat harte Stellen drin, dann löse ich in der alten Gerbflotte noch ein wenig Alaun auf und leg das Fell nochmal rein.
Wenn die Haut nur zu steif ist, aber keine richtig harten Stellen hat, ziehe ich sie ausdauernd in verschiedenen Richtungen über eine vorstehende Kante (Stuhllehne, Tür), bis sie mir geschmeidig genug ist (oder bis ich keine Puste mehr habe).
Ein Wildschweinfell ist besonders fett.
Ich habe daran folgende Methode probiert und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden:
Zum Pickeln habe ich es in 10%ige Schwefelsäure eingelegt danach gründlich ausgespült und mit einem Schaber entfleischt. Nach jeder Arbeitsunterbrechung habe ich Salz und Kalialaun (50:50) daraufgestreut und die Fleischseite aufeinandergelegt. Durch das intensive Schaben wurde das Walken gespart und das Alaun konnte gut in die Haut eindringen. Als das Fell fertig entfleischt war, war es auch gegerbt. Einzufetten brauchte ich es nicht, es war immer noch fett genug.

Meine Gerbstoffe (Kalialaun und Ameisensäure) beziehe ich vom
Heindl-Versand
32708 Detmold-Heiligenkirchen
Postfach 1811
tel.05231/48527
im Internet gibt's die leider noch nicht, aber unter dieser Nummer kannst du den Katalog anfordern.
Du wirst sehen, dass Kalialaun im Gegensatz zu den anderen Gerbstoffen nicht nur ungiftiger ist, sondern auch bedeutend billiger.
Falls du noch Fragen hast, kannst du mich gerne anmailen, aber sieh erst mal noch die Leserbriefseite zum Gerben durch, vielleicht hatte da schon wer die gleichen Probleme wie du.

Als ich mich im Netz nach Arbeitsanleitungen zum Gerben umsah, habe ich die folgendes gefunden:
Grade  eben (22.3.05) kam hier eine Mail von Fabian an, er hat eine Seite über die Hirngerbung geschriebenm, die finde ich absolut toll, und ich denke, auch Du wirst sie sehr hilfreich finden. Hier ist sie :  Hirngerbung.de

In der Hexenküche hab ich die beste Gerbanleitung gesehen, ich geb's nur ungern zu, aber die ist vielleicht besser als meine.
Auf der Tierpräparatorseite gibt es eine kurze Anleitung, vielleicht solltest du dir die auch runterladen.
Beim Safariteam kannst du erfahren, wie du eine Schlangenhaut gerben und damit deine Messerscheide beziehen kannst.

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