Ich glaube, es war der Brief von Doreen Wittig, der mich auf die Idee gebracht hat: Ich werde zu jeder meiner Arbeitsanleitungen eine Seite mit Leserbriefen dazuschreiben. (Sofern mir jemand was dazu geschrieben hat.)
Denn ich denke, die Fragen, die andere Leute zum Thema gestellt haben, könnten dich auch interessieren.
Ausserdem kannst du von hier aus Kontakt mit den Leuten aufnehmen, die vielleicht die gleichen Probleme hatten wie du.

Hier der Briefwechsel mit Doreen:

Hallo Herbert, ich habe heute 4 frische Kaninchenfelle bekommen, diese habe ich nun zum Trocknen aufgeschnitten,
an allen 4 Enden mit einem Strick an einem umgedrehten Tisch befestigt und dick mit Salz eingeschmiert.

Hört sich gut an.

Nun zu meinen Fragen, muss ich nur die Haut einsalzen oder auch die Fellseite?

Es reicht, die Fleischseite einzusalzen, damit wird auch der Fellseite das Wasser entzogen.

Wie oft muss ich nachsalzen und wie lange dauert das Trocknen (Ca.), die Felle hängen in einer Waschküche mit ca. 15°C
Temperatur.

Bei mir trocknen die Felle im Heizungskeller (ca 25°C), da dauert es meist nur zwei oder drei
Tage. An deiner Stelle würde ich mal mit einer oder zwei Wochen rechnen. Ich brauche bei
Kaninchenfellen nie nachzusalzen, du brauchst das nur zu tun, wenn noch soviel
Fleisch-, Unterhaut- oder Fettreste an den Fellen hängen, dass dir das daraus freiwerdende Wasser
das Salz wegspült. Bei Wildschweinfellen oder anderen dicken Häuten ist das oft der Fall.

Wie erkenne ich ob alle Fleischreste und Unterhaut nach dem Trocknen entfernt habe? Die Felle waren schon ohne
Fett und Blutreste bei mir angekommen, sind aber trotzdem noch ca. 0,5 cm dick ohne Haare, wie dick sind sie später
ungefähr?

Vielleicht halb so dick, wenn du die Fleischseite bis auf die Lederhaut abgeschabt hast, dann
sieht die Haut dort schon wie Leder aus, nur das sie beim Trocknen hart wird.

Viele Fragen, aber ich hoffe auf eine Antwort, da ich sowas zum erstenmal mache.

Klar doch, ich freue mich immer, wenn ich merke, dass jemand liest, was ich schreibe, und erst
recht wenn jemand den gleichen Weg gehen will.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim ersten Gerbversuch
und viele gute Tage
>>>=====>
Herbert

Eine weiter interessante Frage hatte Sarah Bidder:

Hallo!
Ich habe mir gerade Deine Homepage angesehen und glaube nun, dass Du meine
letzte Rettung bist!
Kannst Du mir sagen, wie man eine Hasenpfote haltbar macht???
Für einen Tip wäre ich sehr, sehr dankbar.
Sarah Bidder

Auch ich habe in so mancher Jackentasche eine Hasenpfote. Dazu hab ich an der frisch mit der Kneifzange
abgezwickten Pfote das Fell soweit wie möglich zurückgezogen, um den Knochen noch weiter einkürzen zu können
(auch wieder mit der Kneifzange ).Als ich das Fell dann wieder losliess, entstand an der Schnittkante eine Vertiefung
(wo vorher der Knochen war), in welche ich etwas Salz gestreut habe. Dann hab ich das ganze ca 3 Wochen im Heizungskeller trocknen lassen. Fertig.
Die gleiche Vorgehensweise geht auch bei Karnickelschwänzen, die eignen sich dann vorzüglich zum Verzieren von Kleidung oder Köcher oder so.
 

Sylvia Soldan schrieb:

vielleicht hätte ich, bevor ich mit dem Gerben meines ersten Kaninchenfells anfange, mal auf deine Seite schauen sollen. Naja was solls... Ich habe mir über den Heindl Versand ein komplettes Gerbset bestellt, da ich dachte für Anfänger wäre das ideal, da auch gleich eine Anleitung dabei war.
Nun gut, schlecht ist es wirklich nicht, bloß ich verwende hier mehrere Chemikalien, wie z. B. zum Weichmachen Mollescal-C, in Verbindung mit reichlich Wasser und Salz.
Kann ich die Felle auch nur mit einfachem Wasser aufweichen?
Klar, mach ich immer so,weil ich meine Felle ja schon beim Trocknen vor dem Gerben gesalzen habe.
Zum Waschen verwende ich als Zusatz EPPOL-DL und für das Pickeln Kochsalz, Ameisensäure, konzentrierte Schwefelsäure und PICALTAL-Schuppen. Ist das wirklich alles nötig?
Nö, ich pickel Karnickelfelle in Ameisensäure und Sauschwarten in Schwefelsäure (siehe meine Gerbanleitung).
Für die Gerbung muss die Pickellösung einen pH-Wert zwischen 3,8 und 4,2 haben und danach kommt noch CHROMITAN-NA und LIPODERM-LICKER-SAF und nochmals EPPOL-DL dazu.
Nach deiner Beschreibung werden all diese Chemikalien überhaupt nicht benötigt (jaja!), und ich denke, bei meinem nächsten Fell werde ich bestimmt mal deine Variante ausprobieren, denn ich habe mit meiner ersten Version nicht gerade gute Erfahrungen gemacht. Erstens ist es sehr aufwendig, ständig die Mengenanteile der Chemikalien zu errechnen und in genau der Menge zuzuführen. Aber auch das stört mich nicht direkt. Mein Gerbvorgang ist zwar noch nicht vollständig
abgeschlossen, noch etwa 7 Tage muss ich es stehen lassen und gelegentlich walken, aber ich kann jetzt schon erkennen, dass sich das Leder bläulich färbt, ich nehme an, durch das CHROMITAN-NA.
Mein noch größeres Problem ist, dass mein Fell die Haare verliert und ich weiß nicht warum. Kann es sein, dass die Chemikalien das Fell angreifen oder kann es sein, dass das Fell falsch getrocknet wurde? Was muss ich beim Trocknen
beachten, dass die Haare nach dem Aufweichen nicht ausfallen?
Wenn die Haare ausfallen, ist das Fell wahrscheinlich vor dem Gerben leicht angefault, d.h. es wurde zu langsam oder ohne Salz getrocknet. Oder es könnte sich auch um Hasenfelle im Haarwechsel gehandelt haben, vielleicht wurden die Karnickel im Herbst oder Frühling geschlachtet. Bei Karnickeln ist die frische Lederhaut innen hellgrau oder weiss, wenn sie schwarze Flecken hat,ist sie im Haarwechsel, an diesen Stellen werden unweigerlich Haare ausfallen.

Jens Kutzenbach hat gefragt:
Hallo Herbert,
tolle Anleitung zum Gerben. Eine Frage hätte ich aber noch. Wie lange muß eine Wildschweinschwarte gepickelt werden, ein oder zwei Tage?
Vielen Dank im voraus.
Jens
Ich denke ein paar Tage wären okay, wenn die Säure verbraucht ist, tut sich eh nichts mehr.

Auch um die Frage der Einwirkzeit dreht sich's bei Kristina und Rico:

Hallo
wir, das sind mein Freund und ich, haben uns vor kurzem mal mit dem Gerben von Schaffellen beschäftigt. Erstmal vielen dank für die Tips übers Gerben, welche wir aus dem Netz haben.
Nun hätten wir dazu mal eine Frage:
Du schreibst, daß du zum Gerben ein Bad aus Alaunsalz ansetzt. Darin legst du das Fell und walkst es immermal
durch. Dann schreibst du :"Wenn ich denke, es ist gut ,nehme ich das Fell heraus". Nun unser Problem als totale
Anfänger: Wann ist es denn gut? Nach 1 Tag, 1 Woche oder länger? Nur mal so ungefähr? Also wir haben normale
Schaffelle. Was denkst du?
Wäre nett, dafür einen kleinen Tip von dir zu bekommen.
schönen Dank schon mal im voraus
rico und kristina

Wie ich schon in meiner Gerbanleitung geschrieben habe, bin ich mir da oft selbst nicht sicher.
In dem Gerbbuch steht: "Wenn keine glasigen Stellen mehr zu sehen sind" ,ich hab aber selbstnoch nie was "glasiges" an meinen Fellen entdeckt. Vielleicht seht Ihr ja sowas?
Wenn nicht, und wenn Ihr mehrmals täglich gewalkt habt, ist es mit einer Woche bestimmt getan.

    - - Und jetzt kommt mein schlechtes Gewissen:
Ich hab's in meiner Gerbanleitung noch nicht vermerkt (aber ich werde es dieser Tage ändern, Ehrenwort!), ich hab die Erfahrung gemacht, dass Batteriesäure als Pickel nur für Wildschweinfelle gut ist.
Die Hirsch- und Schaffelle, die ich damit gepickelt habe, werden nach zwei bis drei Jahren so spröde, dass sie zerreissen. Falls es schon zu spät ist, so nehmt wenigstens beim nächsten mal Ameisensäure.
Zum Draufsetzen sind die Schaffelle dann immer noch gut, aber wenn man sie umdreht, sehen sie übel aus.
Ich hoffe, ich hab euch nicht auf ne falsche Fährte gelockt und wünsche euch viel Erfolg beim ersten Gerbversuch und viele OOOh's und AAh's, wenn ihr sagt:
"Das Fell, auf dem du grade sitzt, haben wir selbst gegerbt."
Also, macht's gut
und viele gute Tage
>>>=====>
Herbert

Wenn du wirklich mal gerben willst wie die Indianer, dann solltest Du mal lesen, was uns Jonathan geschrieben hat:

Hallo Herbert,

  Du wirst dich sicherlich wundern, aber ich bin wirklich erst 14 Jahre alt.Im Allgemeinen bin ich ein richtiger
  Mittelalter-und Bogenfan. Ich bin selbst fast Profi im Felle gerben und Tierpräparation, doch man lernt nie aus.

Nun, da bist du mir weit voraus, meine Kenntnisse reichen grade so für den Hausgebrauch.

  Aber als ich deinen Artikel übers Felle gerben gelesen habe fand ich das wirklich ganz super. Doch ich glaube, dass
  ich noch ein paar weitere superleichte Gerbmethoden habe:

  1.: Gerade bin ich dabei, ein Rehfell zu gerben und werde dir hiermit mitteilen wie.

      Ich habe das schöne Stück genommen und erst mal tüchtig gewaschen.
      Dann habe ich es in eine Plastikwanne mit folgenden Zutaten gelegt:
      500 Gramm Salz und 250 Gramm Alaun, dazu gerade soviel Wasser, um das Fell gerade zu bedecken.
     Und ob du das glaubst oder nicht, das funktioniert!
     Nach zwei Wochen im Gerbbad, ist es fast fertig. Übrig bleibt nur noch, zu fetten.
  Hast du die Unterhaut vorher nicht entfernt? Gepickelt hast du nicht? Musstest du es nicht
  walken? Wie hast Du das Fell geschmeidig gekriegt?

  2. Und da du nicht wusstest, wie man Felle mit Hirn gerbt, erklär ich dir das jetzt:

     ich würde sagen, dass du dabei bei kaninchen bleibst, (max. Reh) weil das ganz schön stressig werden kann.
     Du nimmst einfach das Hirn des Tieres und massierst es gleichmäßig ein.
     Dann wartest du ein paar Stunden und legst es dann wie ein Tipi über drei Stangen.
    Daneben machst du ein abgedecktes Feuer, nur mit Luftloch und Rauchrohr, indem der
  Rauch unters Fell strömt. Das Fell ist gegerbt, wenn es durch die Haut durchraucht (ca.5std.)

Genau so oder jedenfalls sehr ähnlich hab ich es schon in verschiedenen Indianerromanen gelesen,
aber hast du das echt mal ausprobiert?
Ich glaube, wenn ich ein Fell nur mit Hirn einreibe und dann räuchere, völlig ohne mechanische
Bearbeitung, dann kann ich das hinterher bestenfalls als Nahkampfwaffe benutzen.
Aber gefallen würde es mir natürlich schon, wenn ich nach derart "indianischen" Methoden gerben
könnte.
Hallo Herbert,
  das hab ich wirklich nett gefunden, dass du mir zurück gemailt hast.Als ich deine Email gelesen habe kam mir das so
  vor, als sei dir einiges unklar.Also mein Vater ist kein Jäger (leider) und diese Gerbmethoden habe ich auch schon
  ALLE ausprobiert, und die Unterhaut der Rehdecke habe ich auch entfernt und nach dem Gerben gewalkt.Doch ich
  hab das so kurz wie möglich geschrieben, und dachte dir geht es nur ums Gerben, ausserdem, wer gerbt schon ein
  Fell und entfernt nicht die Unterhaut!? Allerdings habe ich sie nicht gepickelt, weil ich sie nicht als Kleidung oder
  Leder verwende.
  Irgendwie fand ich es langweilig nur Felle vom Gerber zu haben
   und begann selbst mit dem gerben. Glücklicherweise gibt es im Nachbarort einen Tierpräparator von dem ich Häute
  zu Spottpreisen bekomme. Ausserdem fing ich seit geraumer Zeit mit der Tierpräparation an (mit positiven
  Ergebnissen). Aber natürlich kaufe ich seit jeher auch Fertigpräparate und Felle. Wenn ich groß bin werde ich mit
  sicherheit Jäger, eigentlich komisch, denn in meiner Verwandtschaft gibt es niemanden, der das ist.
   Ausserdem weiß ich nicht sorecht wie ich die Haare von der Haut bekomme um Leder zu gerben

Ich auch nicht, aber mir waren meine Felle  immer zu schade, um die Haare zu entfernen.

  .Übrigens empfehle ich dir die Hirngerbung am Anfang mit einem Kaninchen zu versuchen-hier ganz wichtig:Walken
  was das Zeug hält.Falls du weitere Fragen hast, kannst du mir ja meilen, ich dir natürlich auch,

  bis bald,

      -Jonathan-

Aber jetzt hast Du mir doch richtig Mut gemacht, ich werde das mit der Hirngerbung und dem
Räuchern ausprobieren, denn das ursprüngliche an dieser Methode fasziniert mich.Endlich mal
gerben wie die Indianer!
Und wenn Du nichts dagegen hast, werde ich unseren Briefwechsel (soweit er das Gerben betrifft)
auf der Leserbriefseite zum Gerben veröffentlichen, damit es auch noch andere ausprobieren
können.
Vielleicht mach ich's sogar heute noch, aber eigentlich... Heute ist Sonntag und schönes Wetter
und gleich werde ich im Tipi ein Feuer anmachen, den Langbogen spannen und ein Bier öffnen...
Wir werden einen auf dein Wohl trinken.
mach's gut,
bis bald
>>>=====>
Herbert
 
 
 
 
 

E-MailHerbertsTipi@gmx.de Hier geht's zurück ins Tipi