Ich glaube,es könnte dir Spass machen,deinen eigenen Wein herzustellen (und zu verbrauchen).Es erfordert sehr wenig Ausrüstung,ist wenig Arbeit (die sich dazu noch auf mehrere Monate verteilt),und das Ergebnis ist immer erfreulich.

Manchmal stört der Wein beim aufstehen

Nach der hier beschriebenen Methode stelle ich schon seit vielen Jahren Wein her.Ich empfehle dir,deinen ersten Wein nach diesen einfachen Methoden herzustellen,denn das, was ich in verschiedenen Büchern übers Weinkeltern gelesen habe,ist zwar alles wahr und wissenschaftlich fundiert,aber es kann dir auch Angst machen,was da angeblich alles zu beachten und zu benutzen ist.
Den ersten Wein,an dem ich mich versucht habe,habe ich aus Kirschen gemacht,aber mittlerweile hab ich auch andere Obstsorten ausprobiert,z.B.Trauben,Brombeeren,Stachelbeeren oder Mirabellen.

Nach der folgenden Vorgehensweise hab ich zum Beispiel Wein aus Süsskirschen,Brombeeren und Trauben gemacht.
Die Vorgehensweise ist bei allen Obstsorten recht ähnlich,aber bleiben wir mal bei den Kirschen:
Zuerst hab ich ca 10 kg Kirschen gepflückt ,das ist eine Menge, die sich bequem verarbeiten lässt und gut auf die gängigen Grössen von Gärtöpfen und Ballonflaschen passt.
Diese 10 kg werden erst mal gewaschen,um Spinnen,Blattläuse und Vogelscheisse aus dem Wein rauszuhalten.Dann fülle ich sie in einen Gärtopf

Gärtöpfe

und zerkleinere sie ein wenig."Ein wenig" bedeutet hier z.B. mit der Hand zerdrücken,so dass die Schalen zerplatzt sind und die Hefe eindringen kann.Wenn du zuviel zerkleinerst (ich hab mal den Mixer genommen) wird dein Wein trübe werden, und in der Flasche setzt sich ein glibberiger Bodensatz ab.
Falls die Früchte sehr süss sind,setzte ich jetzt nur Hefe zu,wenn nicht,löse ich 1 kg Zucker in 1 liter Wasser auf und rühre das drunter.(Keine Angst,der Zucker wird komplett zu Alkohol vergoren,da bleibt nichts übrig.)Als Gärhefe hab ich jahrelang Backhefe benutzt,weil ich nichts anderes hatte,erst '99 hab ich zum ersten Mal Weinhefe (von Kitzinger) benutzt,ich bin aber noch nicht sicher,ob der Wein dadurch besser geworden ist.Du kannst also ruhig auch Backhefe nehmen.*Dazu hab ich neulich eine interessante Mail bekommen,die kannst du unten nachlesen.
Dann wird kräftig umgerührt,der Gärtopf verschlossen und der Rand mit Wasser befüllt.
Von nun an solltest du jeden Tag einmal umrühren,weil die entstehenden Gasbläschen die festen Bestandteile der Maische nach oben heben.Dadurch kann sich über der Maische ein trockener "Kuchen" bilden,der nicht vollständig vergoren wird und ausserdem schimmeln kann.
Die Maische wird jeden Tag flüssiger werden,und an der Zeit,die zwischen zwei Gasblasen im Gärrand verstreicht,kannst du ablesen,wieweit der Zucker vergoren ist.Nach zwei Wochen oder so (Ist die Zeit zu kurz,wird der Wein zu blass,ist sie richtig,wird er kräftig und geschmackvoll,ist sie zu lang,wird er bitter.) presst du die Maische durch einen Grobfilter (ein altes Geschirrhandtuch,das verfärbt werden darf oder eine Stoffwindel) und füllst den Most in eine Korbflasche.

BallonflascheKorbflasche

Ein klarer Glasballon tuts auch,aber du solltest deinen Wein vor Licht schützen.(Handtuch um die Flasche) Auf die Korbflasche kommt ein Gärverschluss (gibt's im Haushaltswarengeschäft oder bei Kitzinger) damit kein Sauerstoff und keine Essigfliege rein kann und damit du siehst,wie schnell er gärt.
Sobald er langsamer gärt,ziehst du eine Probe.Prost!
Je nach dem,ob die Probe noch ein wenig süss schmeckt oder mehr schon in die Richtung Elsässer Riesling geht,setzt du mehr (1kg) oder weniger (300g) Zucker zu.Den Zucker kannst du entweder in Wasser auflösen, dann wird dein Wein mehr aber blasser,oder du ziehst 1l Most aus der Flasche,löst den Zucker darin auf und schüttest ihn wieder zurück.
Sobald er langsamer gärt,ziehst du eine Probe.Prost!
Dann gehst du vor wie beim letztenmal,nur musst du jetzt den Zucker vorsichtiger dosieren.Die Hefe wird irgendwann aufhören zu gären:Entweder ist kein Zucker mehr da,oder der Alkoholgehalt ist so hoch geworden,dass die Hefe daran zugrunde geht.Ich versuche mich immer an den Punkt heranzutasten,an dem beides gleichzeitig passiert.Damit erhalte ich einen herben,starken Wein,was mich immer wieder sehr glücklich macht.
Wenn sich im Gärröhrchen nichts mehr tut,und ich denke,der Wein hat genug Alk und Öchsle,lasse ich ihn trotzdem noch 2-4 Wochen in der Korbflasche,damit er sich besser klärt.Wenn die zeit zu kurz war,bildet sich in den fertigen Flaschen ein Hefesatz.Eigentlich kein Problem,aber auch nicht schön.
Den fertigen Wein fülle ich in Mineralwasserflaschen ab,die sind vielleicht ästhetisch nicht voll befriedigend,aber leicht zu reinigen.
Wenn du gebrauchte Weinflaschen nehmen willst,musst du die vorher desinfizieren (im Backofen backen,auskochen und-oder schwefeln),sonst werden die darin enthaltenen Mikroben den Alkohol in Essigsäure umwandeln.Du bekommst dann 10l erstklassigen Weinessig.
Bei Mineralwasserflaschen brauchst du nur die Deckel abzukochen (ich mach das immer so,ob es wirklich notwendig ist,weiss ich nicht) und die Flaschen auszuspülen.
Wenn du den Wein in Flaschen abziehst,oder auch wenn du nur eine Probe nimmst (Solltest du oft tun.Prost!) benutze einen Schlauch.Gerade in der Endphase ist es wichtig,den Most so wenig wie möglich aufzurühren,damit sich die Hefe nach getaner Arbeit am Boden absetzen kann.
Da du ja einen Computer hast,kannst du damit schöne Etiketten herstellen,was die öden Mineralwasserflaschen optisch etwas aufwertet.
Wenn du jetzt deine fertigen Weinflaschen in den Keller verfrachtest,fragst du dich wohl,wie lange die haltbar sind.Darauf kann ich dir keine genaue Antwort geben,bei mir hat sich der Wein immer so lange gehalten,bis er ausgetrunken war.Die älteste Flasche eigenen Wein,die ich getrunken habe,war drei Jahre alt,die war wunderbar.Ob der Wein später sauer werden würde,konnte ich noch nicht herausfinden.Ich hoffe aber,in Zukunft so viel Wein zu produzieren,dass auch mal was über bleibt und ich dann im Keller viele verschiedene Jahrgänge eigenen Wein habe.

Zubehör
Was du also wirklich brauchst sind:
-ein Gärtopf
-eine grosse Flasche mit Gärverschluss
-einen Schlauch zum Probenziehen Prost!
-ein paar Kilo Obst
-ein Päckchen Hefe
Was du vielleicht auch gebrauchen kannst:
-Reinzuchthefe -siehe oben-
-Antigel Dieses Jahr hab ich zum ersten Mal Kitzinger Antigel benutzt,das ist ein Enzym,das die Zellwände auflöst.Damit wird die Maische schneller flüssig und lässt sich besser auspressen.Ich denke (und der Hersteller versichert das natürlich) es ist gesundheitlich unbedenklich.
Ich hatte mal versucht,aus Mirabellen Wein herzustellen.Der Versuch war fehlgeschlagen,weil das innere der Früchte mehlig war und die Maische daher eine schleimige Konsistenz bekam.Die Gasblasen platzten nicht und der Gärtopf schäumte über.Ich könnte mir vorstellen,dass das mit Antigel nicht passiert wäre.Dieses Jahr werde ich es ausprobieren und das Ergebnis hier aufschreiben.(Dieses Jahr gabs keine Mirabellen,ich werd's nächstes Jahr probieren 15.9.2000 )
-Kitzinger Weinbuch (siehe Bücherliste) Ich weiss nicht,ob ich dir die Lektüre dieses Buches vor deinem ersten Wein empfehlen soll.Ich hab's selbst erst gelesen,nachdem ich schon jahrelang Wein gemacht habe.In dem Buch stehen so viele Ratschläge,die zu beachten sind,Probleme,die auftauchen könnten,Zusätze und Zubehör,die du beim Autor kaufen sollst,
dass du zu der irrigen Meinung kommen könntest,die Sache sei zu kompliziert für dich.
Wenn du aber deinen ersten eigenen Wein getrunken hast,weisst du mit den guten und sehr ausführlichen Ratschlägen des Weinbuches mehr anzufangen.
Eine Anleitung zum Weinkeltern aus Sauerkirschen hat uns Andreas Schöne aus Sachsen geschrieben.
Wie man einen echt tollen Vino Hagebutti herstellt,kannst du aus dem Briefwechsel mit Mathes erfahren.
In der Hexenküche gibt es Rezepte für Wein und für alles,was man sonst noch so selbst herstellen kann.Die solltest du dir unbedingt ansehen.
Und noch eine tolle Arbeitsanleitung für Obstweine findest du im Hause Kröplin.
*Hier noch die Mail von Alka Seltzer zum Thema Backhefe:"Ich wollte nur anmerken daß die von ihnen empfohlene Gärmethode mit Backhefe sehr gefährlich ist. Denn bei der Verwendung von einfacher Back-Hefe entsteht das hochgiftige Methanol. Ich bitte Sie deswegen dies auf ihrer Seite zu vermerken."   -- Nun Ja... --   Dazu sollte ich dann schon noch bemerken, dass ich im Verlauf der letzten Jahre wohl ein paar Hektoliter derart hergestellten Weines getrunken habe. Wahrscheinlich ist mein Hirn vom hochgiftigen Methanol schon derart zerfressen, dass ich die Wirkung gar nicht mehr bemerke. Trotzdem wollte ich Dir diese Mail nicht vorenthalten. Wenn Du also Deinen Wein mit Backhefe vergärst, gehst Du das Risiko ein, dass Du nachher genauso verstrahlt bist wie ich.
Dazu hab ich heute übrigens eine ebenso nette wie interessante Mail von Thomas bekommen:

"An dieser nur ein paar kleine Anmerkungen zu der Mail am Ende der "Wein selber machen"-Seite:
1. Bäckerhefe ist das gleiche wie Weinhefe! Und damit meine ich EXAKT das gleiche (beides dieselbe Hefeart). Einziger Unterschied: Es handelt sich um verschiedene Stämme. Das ist in etwa so wie Hunderassen beim Hund (naja, ganz grober Vergleich...): Alle sehen etwas verschieden aus, aber es sind trotzdem alles bloß HUNDE. Alles die gleiche Art.
2. Daraus schließen wir, dass sowohl Bäcker- als auch Weinhefe Methanol bei der Gärung freisetzt. Tja, und das macht gar nix, obwohl Methanol ein recht starkes Nervengift ist! Denn: Es wird viel zu wenig Methanol freigesetzt. Wenn Sie Ihren Weinballon in einem Zug leer"saufen" würden, dann ist eine klassische Alkoholvergiftung (und ich meine jetzt eine Vergiftung vom Ethanol, also dem "Genussalkohol") wohl eher wahrscheinlich. Darum haben Sie ja auch keine bleibenden Schäden in den letzten Jahren erhalten, ganz so, wie Sie es auch festgestellt haben.
Mal davon abgesehen: Auch Ethanol ist ein (tödliches!) Gift für den Menschen, aber in Maßen genossen, wie es wohl die allermeisten Mitmenschen tun: Gar kein
Problem! Das andere Zeug, der Methanol, wird erst gefährlich, wenn man den Wein zum Schnaps "brennt", d.h. destilliert. Dabei wird nämlich der Alkoholgehalt deutlich erhöht. Schnaps hat ja bekanntlich mehr Prozente als Wein. Und da man beide Alkohole anreichert, ist im Endprodukt auch genug Methanol drin, um Schaden zu verursachen, z.B. Blindheit, Nervenschäden, Tod... Naja, nicht umsonst ist das illegale Brennen von Schnaps verboten.
 Fazit: Lassen Sie sich Ihren Weingenuss bloss nicht von solchen Klugscheißern versauern! Solch dumme Halbwahrheiten schüren nur Unsicherheit.
 Mein Kompliment für Ihre informative Seite!!! Ich für meinen Teil werde jetzt los gehen und auf dem Feld hinterm Nachbarshaus Schlehen sammeln und daraus nach Ihrer Methode Wein herstellen. Wohl bekomm's, auch in Zukunft!"
 
Mit freundlichen Grüßen,
 
Thomas Emmrich

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